Wir sind BittstellerInnen

Es gibt große Unterschiede zwischen externen LektorInnen an Fachhochschulen und internen LektorInnen. Die internen LektorInnen haben unbefristete Verträge und sind weisungsgebunden.

An Fachhochschulen in Österreich decken externe LektorInnen 2/3 der Lehre ab. Nicht selten wird mit dem Praxisbezug der Fachhochschulen geworben. Der Praxisbezug grenzt die Fachhochschulen von den Universitäten ab und gibt den Fachhochschulen in Österreich ihre Existenzberechtigung im tertiären Bildungssektor.

Bei der Mitsprache der externen LektorInnen in den durch das FHStG 2012 neu eingerichteten Gremien an Fachhochschulen in Österreich werden externe LektorInnen nicht berücksichtigt.

In §10 Absatz 2 des FHStG 2012 werden Lehrende, InstitutsleiterInnen und Studierende mit fix zustehenden Plätzen im Kollegium bedacht. Da jede Fachhochschule ihre eigene Wahlordnung selbst erstellen muss und darf, ist die Praxis an jedem Standort verschieden. So kann es dazu kommen, dass in neu eingerichteten Kollegien mitunter keine einzige externe LektorIn vertreten ist. Und es ist dazu gekommen.

Externen LektorInnen wird von Seiten des Gesetzes kein MitspracheRECHT eingeräumt wie den Studierenden. Da das Kollegium der Fachhochschulen ab jetzt alle hochschulstrategischen Entscheidungen (in Absprache mit den ErhalterInnen) trifft, bedeutet dies, dass externen LektorInnen von Gesetzesseite die Kompetenz nicht zugesprochen wird.

Externen LektorInnen bleibt damit nichts anderes übrig als weiter als BittstellerInnen in ihren Fachhochschulen vorstellig zu werden. Sie müssen nicht gehört werden. Sie sind auf den “good will” der rechtlich besser Ausgestatteten angewiesen.

Siehe dazu: http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/1314127/FH_Keine-Mitsprache-fuer-externe-Lektoren?_vl_backlink=/home/bildung/index.do

 

5 Gedanken zu “Wir sind BittstellerInnen

  1. Das trifft den Nagel auf den Kopf! Eine Fachhoschulpolitik , die ihre Daseinsberechtigung auf der Praxisorientierung begründet,den dafür hauptverantwortlichen externen LektorInnen kein adäquates Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht in der Lehre einräumt, ist eine rechtliche und organisatorische Diskriminierung der Praktiker. Es ist hoch an der Zeit, dass IG.EL gegründet wurde und seine Stacheln zeigt.

  2. Ich finde es eine gute Sache, dass sich die externen Lektoren zusammenschließen und mehr Rechte und ein Mitspracherecht an den Fachhochschulen fordern. Ich wünsche dem Verein IG.EL viel Erfolg!

  3. Ich bin – wenn auch in geringem Ausmaß, weil kleiner Lehrauftrag – selbst Betroffener. Möchte aus meiner Perspektive als Unternehmensberater etwas aufzeigen:
    Partizipation – also die Einbindung der von Entscheidungen Betroffenen – ist mittlerweile nicht nur im kommunalen Bereich sondern auch in Unternehmen ein Thema. Die Gründe dafür sind vielfältig:
    * Zeit- und Kostenersparnis bei der Implementierung
    * Bestmögliche Nutzung von Wissens- und Erfahrungspotential
    * dadurch bessere und nachhaltigere Ergebnisse
    * Identifikation und damit Bindung
    (mehr dazu: http://www.partizipationswerkstatt.eu)
    Im Fachhochschulbereich ist dieses Thema offenbar noch nicht angekommen.
    Das ist schade und es ist nicht verwunderlich, ja war absehbar, dass das dazu geführt hat, dass sich Betroffene zusammen schließen um für ihre Interessen gemeinsam ein- und aufzutreten.
    Ich frage mich ob man da im Fachhochschulbereich “einfach etwas übersehen hat” oder gar noch der veralteten Ansicht gefolgt ist “schlafende Hunde nicht wecken zu wollen” bzw. welche Überlegungen dahinter standen, die größte Gruppe der Lehrenden nicht stärker einzubeziehen?
    Durch die Gründung von IG.EL, die ich gerne unterstütze, ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Mitwirkung getan, der – davon bin ich überzeugt – zu einer guten Weiterentwicklung des Fachhochschulsektors führen wird.

  4. danke für deinen kommentar! die einbindung externer lektorInnen ist, wie du sagst, keine frage der politik, sondern vielmehr eine frage der betriebswirtschaft.

    ich sehe das genauso, dass IG.EL seinen beitrag zu ameliorisierung des fachhochschulsektors leisten wird. eine konsistente einbindung externer lektorInnen von ihnen selbst wird nach einem längeren prozess ganz sicher dazu führen, dem fachhochschulsektor die akademische auseinandersetzung zu bringen, die für eine hochschule notwendig ist.

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