IG.EL im Jahresbericht Hochschullandschaft Wien 2012

Wir freuen uns, dass im zweiten Jahresbericht zur Lage der Wiener Hochschul- und Forschungslandschaft 2012 die externen LektorInnen berücksichtigt wurden. Ein Beitrag, der IG.EL und seine Gründungsgeschichte beinhaltet, findet sich auf Seite 27. Auf Seite 26 wird das Programm der IG der Universität Wien vorgestellt.

http://www.universitaetsbeauftragter-wien.at/report2012/

Es handelt sich nicht nur um ein schönes Weihnachtsgeschenk für externe LektorInnen. Es ist notwendig, die Haupttragenden der Hochschullehre und ihre Anliegen sowie Arbeitsbedingungen aufzuzeigen und zu verbessern. Die Interessen der sogenannten “externen LektorInnen” werden allzuoft “übersehen”.

Lehrende an Fachhochschulen: Wer vertritt hier wen?

Die vom FHStG 2012 festgelegten Wahlen vom Kollegium sieht so aus:

§ 10. (1) Zur Durchführung und Organisation des Lehr- und Prüfungsbetriebes ist bei jedem Erhalter von Fachhochschul-Studiengängen ein Kollegium einzurichten. Dieses hat mindestens zweimal jährlich zusammenzutreten.

(2) Dem Kollegium gehören neben der Leiterin oder dem Leiter des Kollegiums und ihrer oder seiner Stellvertretung sechs Leiterinnen oder Leiter der jeweils eingerichteten Fachhochschul-Studiengänge, sechs Vertreterinnen oder Vertreter des Lehr- und Forschungspersonals sowie vier Vertreterinnen oder Vertreter der Studierenden der Fachhochschul-Studiengänge an. Diese Vertretungen im Kollegium werden von den jeweiligen Personengruppen gewählt. Sollten weniger als sechs Leiterinnen oder Leiter von Fachhochschul-Studiengängen zur Verfügung stehen, ist deren Anzahl aus dem Kreis der Vertreterinnen oder Vertreter des Lehr- und Forschungspersonals zu ergänzen. Bei der Erstellung der Wahlvorschläge für die zu wählenden Vertreterinnen oder Vertreter sind pro Gruppe nach Möglichkeit mindestens 45 vH Frauen aufzunehmen.

Laut Gesetz ist also folgendes Szenario denkbar: Die Lehrenden wählen 6 externe LektorInnen als VertreterInnen ins Kollegium. Ein solches Ergebnis ist an keinem Standort zustande gekommen.

Doch: wenn es so wäre: Würden sich die internen LektorInnen durch ein solches Ergebnis  vertreten fühlen? Könnten sie überhaupt mit ihren Anliegen und Bedingungen vertreten sein? Da externe LektorInnen bis zu 90% des Lehrpersonals stellen, müssen folgende Fragen erlaubt sein: Wieso stellen externe LektorInnen nicht auch bis zu 90% der VertreterInnen der Lehrenden im Kollegium an Fachhochschulen? Wie sind die Wahlordnungen an den einzelnen Standorten aufgestellt, dass externe LektorInnen chronisch unterrepräsentiert sind?

Faktum ist, dass das Gesetz laut § 7 FHStG 2012 explizit zwischen nebenberuflich Lehrenden (Externe) und hauptberuflich Lehrenden (Interne) unterscheidet. In der Umsetzung zur Vertretung im Kollegium (§ 10), wird diese Unterscheidung  nicht mehr getroffen. Das fragwürdige Ergebnis ist, dass die Mehrheit der Lehrenden (Externe) in den einzelnen Kollegien unterrepräsentiert ist.

Wir sind BittstellerInnen

Es gibt große Unterschiede zwischen externen LektorInnen an Fachhochschulen und internen LektorInnen. Die internen LektorInnen haben unbefristete Verträge und sind weisungsgebunden.

An Fachhochschulen in Österreich decken externe LektorInnen 2/3 der Lehre ab. Nicht selten wird mit dem Praxisbezug der Fachhochschulen geworben. Der Praxisbezug grenzt die Fachhochschulen von den Universitäten ab und gibt den Fachhochschulen in Österreich ihre Existenzberechtigung im tertiären Bildungssektor.

Bei der Mitsprache der externen LektorInnen in den durch das FHStG 2012 neu eingerichteten Gremien an Fachhochschulen in Österreich werden externe LektorInnen nicht berücksichtigt.

In §10 Absatz 2 des FHStG 2012 werden Lehrende, InstitutsleiterInnen und Studierende mit fix zustehenden Plätzen im Kollegium bedacht. Da jede Fachhochschule ihre eigene Wahlordnung selbst erstellen muss und darf, ist die Praxis an jedem Standort verschieden. So kann es dazu kommen, dass in neu eingerichteten Kollegien mitunter keine einzige externe LektorIn vertreten ist. Und es ist dazu gekommen.

Externen LektorInnen wird von Seiten des Gesetzes kein MitspracheRECHT eingeräumt wie den Studierenden. Da das Kollegium der Fachhochschulen ab jetzt alle hochschulstrategischen Entscheidungen (in Absprache mit den ErhalterInnen) trifft, bedeutet dies, dass externen LektorInnen von Gesetzesseite die Kompetenz nicht zugesprochen wird.

Externen LektorInnen bleibt damit nichts anderes übrig als weiter als BittstellerInnen in ihren Fachhochschulen vorstellig zu werden. Sie müssen nicht gehört werden. Sie sind auf den “good will” der rechtlich besser Ausgestatteten angewiesen.

Siehe dazu: http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/1314127/FH_Keine-Mitsprache-fuer-externe-Lektoren?_vl_backlink=/home/bildung/index.do