IG.EL gegen die Unterwerfung der Wissenschaften

Die Unterordnung des Wissenschaftsministeriums unter das Wirtschaftsministerium stellt eine ungeheuerliche orwell’sche Dimension bereit: sie wird Eingliederung genannt. Eine tödliche Umarmung ist vielleicht gemeint, aber in Wahrheit geht es um eine Unterwerfung der oft sperrigen und widerspenstigen Wissenschaften.

Das zuvor bestanden habende bildungspolitische Vakuum, wird nun derart gelöst, dass die Wissenschaften wirtschaftspolitischen Zielen untergeordnet werden. Das ist nun nichts Neues, da auch bisherige Hochschulreformen genau daraufhin zielten. Verstörend ist, wie unumwunden dies nun zur Schau getragen wird.

Während die Universitäten Sturm laufen, reagiert die Fachhochschulkonferenz (FHK) eilfertig mit Freude über die Unterwerfung unter das Wirtschaftsministerium. Die Fachhochschulen sind ja seit je her nicht so sehr auf Wissenschaft getrimmt, da mag mancher meinen, dass das keinen Unterschied macht. Aber: Am Fachhochschulwesen in Österreich kann man ablesen, wie diese Unterwerfung organisiert wird. Zunächst wird ein Gesetz erlassen, in dem mit KEINEM EINZIGEN Satz ein öffentlicher Auftrag formuliert wird. Man bittet “die Wirtschaft”, sich am Aufbau zu beteiligen, gewährt den EigentümerInnen dafür besondere Rechte. Dies geschieht unter dem Label Autonomie. Nach 20 Jahren stellt sich heraus, dass Fachhochschulen durchschnittlich zu 98% aus öffentlichen Mitteln finanziert sind, verwaltet von zumeist Gesellschaften mit beschränkter Haftung, auf die politisch kein Einfluss zu nehmen ist. “Die Wirtschaft” erhält eine “praxisnahe Ausbildung auf Hochschulniveau”, die fast nur den SteuerzahlerInnen etwas kostet.

Herauskommen FASThochschulen, die als Gratis-Fortbildungsprogramme mit akademischem Abschluss für “die Wirtschaft” fungieren können.

IG.EL wehrt sich gegen die Unterwerfung der Wissenschaften unter die Wirtschaftsagenda der Republik. Wir sind an ECHTEN Fachhochschulen interessiert. Wir sehen die Lehrenden an Fachhochschulen in ihrem Bemühen um den Auf- und Ausbau von akademischen Strukturen unterminiert.

Unterschreiben Sie die nachfolgende Petition!

https://www.openpetition.de/petition/online/ein-eigenstaendiges-wissenschaftsministerium-fuer-oesterreich

MitspracheRECHTE

Der Unterschied zwischen einem MitspracheRECHT und einer Mitsprachemöglichkeit ist, dass im ersten Fall eine klagbare Möglichkeit hergestellt ist, im zweiten Fall der “goodwill” beider notwendig ist. Ein Betriebsrat zum Beispiel hat ein Recht auf regelmäßige Meetings mit der Geschäftsführung und kann dies einklagen. Nebenberuflich Lehrende an Fachhochschulen benötigen ein Mitspracherecht.

Warum ist das so wichtig?

Wie soll ein akademischer Diskurs zustande kommen, wenn eine Seite sich nicht gesprächsbereit gibt? Wie soll ein akademischer Diskurs etabliert werden, wenn 86 % der Lehrenden einer Hochschule vom Mitspracherecht ausgeschlossen sind?

Im Prinzip befinden sich Fachhochschulen, was ihren Bildungsauftrag betrifft, auf einer Gratwanderung, solange nebenberuflich Lehrende ausgeschlossen sind. Die externen LektorInnen stellen die Lehre an Fachhochschulen sicher. Die Akademisierung dieser PraktikerInnen ist durch ihre Anwesenheit allein noch nicht gewährleistet. Im Prinzip kann an jedem Standort und jederzeit von der jeweiligen Geschäftsführung jedes Gespräch mit nebenberuflich Lehrenden verweigert werden.

Ein akademischer Diskurs ist oft sperrig und schafft Barrieren der Umsetzung. Ein akademischer Diskurs ermöglicht allerdings auch durch seine Reflexionen (Feedbackschleifen) Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Die Einbindung nebenberuflich Lehrender in die Gremien der Fachhochschulen funktioniert offenbar wenig. Peter Reininghaus von der FH Joanneum gibt dies unumwunden zu: “Nur, es wollte sich kein Einziger aufstellen”. Siehe dazu der Standard.

Es ist nicht gerade ein Aushängeschild, wenn sich an einer Fachhochschule tatsächlich niemand zur Wahl stellt. Und es sagt wohl einiges über den tatsächlich vorhandenen akademischen Diskurs aus, wenn sich tatsächlich niemand der nebenberuflich Lehrenden der Wahl stellte. Als FachhochschulträgerIn müsste man im Sinne des hochschulpolitischen Auftrags von der Republik als sagen: “Also verpflichten wir sie.”

Allzu oft wird von ErhalterInnenseite die mangelnde Bereitschaft nebenberuflich Lehrender beklagt, offene oder sogar öffentliche Angebote zur Mitarbeit sind selten. Und an den Standorten, an denen sich nebenberuflich Lehrende zu Wort melden, werden sie mitunter “nicht einmal ignoriert”.

Als IG.EL sehen wir MitspracheRECHTE für nebenberuflich Lehrende an Fachhochschulen als win-win-Situation für alle Beteiligten. Niemand müsste sich mehr über mangelnde Mitsprache beklagen oder beschweren.

Forum Hochschule der ÖH

Anlässlich der Podiumsdiskussion Forum Hochschule überreichte Kurt Trolp Herrn BM Karl-Heinz Töchterle einen Plüschigel, das Symbol von IG.EL

http://www.flickr.com/photos/martin-juen-fotografie/8370887698/in/set-72157632483455477/

Wir freuen uns, dass der IG.EL gut angekommen ist. Die Anliegen von IG.EL konnten wir danach Herrn BM Karl-Heinz Töchterle nahebringen und freuen uns bereits auf zukünftige Ergebnisse, die helfen, den nebenberuflich Lehrenden an Fachhochschulen in Österreich einen anerkannten Status zuzuerkennen.

Forum Hochschule, 10.1.2013

Die Veranstaltung der Österreichischen HochschülerInnenschaft und des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung zum Thema “Lehre – mehr als die Summe aller Lehrveranstaltungen?” verlief nicht nur turbulent, sie zeigte auch, dass der Status von Fachhochschulen in der österreichischen Hochschullandschaft noch kaum wahrnehmbar ist.

Obwohl in dem starken Paper “Forum Hochschule” der ÖH die Agenda und Problematiken der Fachhochschulen in Österreich aufgenommen sind, sind diese in der Diskussion um die Lehre nicht repräsentiert, die Einbindung der Fachhochschulen in die Diskussion löste auch manche Verblüffung aus.

Kurt Trolp stellte die Anliegen von IG.EL vor. Die Situation an Fachhochschulen ist anders gelagert, die Problemstellen sind unterschiedlich zu den Universitäten. Dies wurde an diesem Abend deutlich.

Die Einbeziehung der Fachhochschulen in die Diskussionen machte auch deutlich, dass diese im Diskurs der Hochschulpolitik noch nicht angekommen sind. Eine Positionierung der Lehre an Fachhochschulen blieb somit aus.

Der vom BMWF, der uniko und der ÖH neu ausgerufene und an diesem Abend vorgestellte Preis “Ars docendi” ist auf Universitäten zugeschnitten. Fachhochschulen können daran nicht teilnehmen. Die Kunst der Lehre scheint eine der Universitäten zu sein.

Medienresonanz

Liebe InteressentInnen, PartnerInnen und Mitglieder!

Wir wünschen allen ein emanzipiertes und engagiertes Jahr 2013.

Wir freuen uns, dass IG.EL bereits zwei Monate nach Gründung derart viel Resonanz erfahren durfte und wollen an dieser Stelle allen danken, die sich um die österreichische Bildungslandschaft bemühen. Unser Bemühen, den LektorInnen an Österreichs Fachhochschulen ein Sprachrohr zu sein, wird im kommenden Jahr ausgebaut. Die Anliegen sind weiterhin, einen Rechtsstatus in Bezug auf Mitbestimmung zu erwirken.

APA-ZukunftWissen

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Selbstverständlich werden wir unsere Aktivitäten im neuen Jahr fortsetzen und erweitern.